Zehn Jahre nach dem Tode Mao Tsetungs 1986, mitten in der Reformära, führten Studentenproteste zum Rücktritt des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Hu Yaobangs, der dieses Amt seit 1982 begleitet hatte. In den Augen Deng Xiaopings hatte er zu nachsichtig auf die Forderungen der Studenten reagiert und war mit den Protesten zu behutsam umgegangen. Zwar war sein Nachfolger Zhao Ziyang auch ein „Reformer“, er pflegte jedoch einen behutsameren Politikstil als sein Vorgänger. Die Spannungen zwischen politischen und wirtschaftlichen Reformen entluden sich in den Trauerkundgebungen nach Hus Tod am 15 April 1989. Rasch entwickelten sich Protestkundgebungen. Der Tote Hu wurde von der Bewegung posthum zu einem Symbol der politischen Liberalisierung erklärt. Bei den Protesten war der Fokus auf Reformdefizite an den Universitäten gerichtet. Nach außen hin richtete sich der Fokus jedoch mehr und mehr auf politische Forderungen – nicht zuletzt aufgrund der erwarteten Außenwirkung auf die internationalen Medien. Der unbestimmte Ruf nach „Demokratie“ und „Menschenrechten“ wurde laut. Obwohl es im ganzen Land zu Protesten kam, konzentrierte sich nicht nur die Weltöffentlichkeit auf Beijing, wo es in Folge zu Demonstrationen kam. Der Beginn von Hungerstreiks am 13. April und schließlich der Besetzung des Tian‘anmen Platzes am 20. April umit offene Unruhen am 20. Mai bildeten den Höhepunkt der Ereignisse. Zhao Ziyang suchte das Gespräch mit den Wortführern, traf aber mit dieser Einstellung auf Widerstand innerhalb des Politbüros. Teile der Parteispitze sahen in den protestierenden Studenten eine „konterrevolutionäre Bewegung“, was am 26. April durch einen Artikel in der People’s Daily als quasi offizielle Einschätzung bekannt gegeben wurde. Sie suchten die offene Konfrontation mit den Studenten, um ein Exempel zu statuieren. Nachdem auch der Vater der chinesischen Reformpolitik Deng Xiaoping überzeugt wurde, setzten sich diese „konservativen“ Kräfte schließlich gegen Zhao Ziyang durch, der einen militärischen Einsatz ablehnte. Der Ausnahmezustand wurde verhängt und Truppen nach Beijing beordert. In der Nacht des 4. Juni wurde der Tian‘anmen Platz geräumt. Zhao Ziyang verlor daraufhin seinen Posten als Generalsekretär, während sich die Aktionen der Volksbefreiungsarmee in Beijing noch bis zum 9. Juni hinzogen.
(cmb)
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In der Ausgabe Nr. 3 / 2006 des, aus einem Projekt der London School of Economics hervorgegangenen, Magazins Historical Materialism erschien ein Aufsatz der beiden Autoren von China and Socialism Martin Hart-Landsberg und Paul Burkett über die VR China und die Danymik der transnationalen Akkumulation. Pablo Graubner stellte mir freundlicherweise seine übersichtliche Zusammenfassung des Textes zur Verfügung, die in deutscher Sprache einen Überblick über die dargestellten Thesen liefert:
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Derzeit widmen sich in der VR China nicht nur viele neue Studienprogramme der marxistischen Theoriebildung, es werden auch gezielt neue Institute mit diesem Forschungsschwerpunkt aufgebaut. Dies sind deutliche Anzeichen dafür, dass wir es mit einer Wiederbelebung des Marxismus in Chinas akademischen Kreisen zu tun haben.
Laut einem Artikel auf People’s Daily Online haben dutzende von Universitäten, Akademien und so genannte „Think Tanks“ der Zentralregierung weitere Abteilungen für Marxismus eingerichtet, die derzeit an verschiedenen Forschungsvorhaben arbeiten. Darunter finden sich Analysen zum Zerfall der UdSSR und Forschungsprojekte zu den aktuellen Problemen, vor denen die VR China in ihrer wirtschaftlichen, wie sozialen Entwicklung derzeit steht. (mehr…)
Die wirtschaftliche Entwicklung der VR China geht weiter voran. Im ersten Quartal 2007 legte das reale Bruttoinlandsprodukt um 11,1% gegenüber dem Vorjahr zu. Die Umsätze im Einzelhandel stiegen und trotz des hohen Wachstumstempos bleibt die Inflation derzeit moderat. Der Preisauftrieb schwächte sich im April gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozentpunkte auf 3,0 Prozent ab. Eine weitere nachhaltige und vor allem stabile Entwicklung wäre die beste Voraussetzung für eine Entwicklung des Kapitalmarktes im Rahmen des 11. Fünfjahresplans. (mehr…)
In Washington brauen sich dunkle Wolken für den Freihandel zusammen
Zwischen dem 22. und dem 23. Mai trafen sich hochrangige Vertreter der US-amerikanischen wie der chinesischen Regierung zu einem Strategischen Wirtschaftsdialog in Washington. An dem Treffen nahmen unter anderem die chinesische Vizepremierministerin Wu Yi und der US-Finanzminister Henry Paulson als Sonderbeauftragte der Staatsoberhäupter beider Länder teil. Paulson beschrieb die Ergebnisse für die USA als „marginal“. Herausgekommen waren vor allem zusätzliche Flugverbindungen und Zugeständnisse im Bezug auf die Handlungsfähigkeit ausländischer Banken auf dem chinesischen Markt. Es gab keinen Austausch in der Frage des Währungsstreits. Dies ist besonders brisant, da US-Beamte im Vorfeld des Dialogs „greifbare Fortschritte“ gefordert hatten. (mehr…)
Das Ostasiatische Institut am Fachbereich Sinologie der Universität Leipzig bietet eine übersichtliche Aufstellung der 18 verschiedenen Banken in der VR China an. Neben kurzen Beschreibungen mit historischen Hintergrundinformationen finden sich dort auch die entsprechenden Links zu den offiziellen Seiten und die korrekten chinesischen Bezeichnungen. (mehr…)

„Diejenigen, für die der Kapitalismus etwas Natürliches ist, sehen allenfalls Widersprüche in China. Anders wer marxistisch denkt. […]“
Endlich befindet sich das 284 Seiten starke
ARGUMENT-Schwerpunktheft zur VR China im Handel bzw. ist beim Verlag
direkt erhältlich. Obwohl ich nun schon länger auf das Erscheinen gewartet habe und den Entstehungsprozess mitverfolgen konnte, finde ich leider keine Zeit für eine ausführliche Rezension. Ich kann den Band aufgrund des breiten Themenspektrums jedoch jedem empfehlen, der sich mit dem Thema auseinandersetzt. Daher nun eine Auflistung der Inhalte mit Bezug auf die VR China:
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Am 30. November erschien in der Tageszeitung junge Welt ein Artikel über Marx‘ Werk ‚Das Manifest der Kommunistischen Partei‘ im Rahmen der chinesischen Revolution. Ursprung, Einflüsse und die verschiedenen Stadien die der Text durchlief bevor es zu einer massenhaften Verbreitung kam werden nachgezeichnet. Im Folgenden halte ich die Abschnitte chronologisch fest. (mehr…)