70 Jahre „Langer Marsch“

In China wird derzeit des Endes des „langen Marsches“, das 70 Jahre zurückliegt, gefeiert und die historischen Vorgänge, sowie ihre aktuellen Bezugspunkte zu diesem, wenn nicht gar dem entscheidenden Moment der chinesischen Revolution gewürdigt. Der zwei Jahre dauernde Marsch war ein groß angelegtes Ausbruchsmanöver der Roten Armee – oder besser gesagt: ihrer Reste. Der Ausgangspunkt war die Provinz Jiangxi in Südchina, von wo aus die Streitkräfte im Oktober 1934 aufbrachen. Im selben Monat des Jahres 1936 erreichten sie ihr Ziel in Yan’an in Nordchina, wobei eine Strecke von 12,500 km zurückgelegt wurde. Zu den explizit politischen Wirkungen dieses Marsches kann nicht nur die massenhafte Agitation in den durchquerten Provinzen, sondern vor allem die Auseinandersetzung mit dem Berater der Kommunistischen Internationale gewertet werden. Auf der Konferenz in Zunyi wurde seine Linie korrigiert und die Linie Mao Tse-Tungs als richtig angenommen. Nach langen Auseinandersetzungen war Maos Rolle innerhalb der Partei und Armee von nun an politisch, militärisch wie organisatorisch legitimiert. Eine Wende, die auch sinnbildlich für die Prägung des chinesischen Sozialismus, für die „Sinisierung“ des Marxismus genommen werden kann. Erschütternd sind allerdings die Daten zu den Entbehrungen und Verlusten: Von den 86.000 gestarteten Rotarmisten erreichten lediglich 7000 Yan‘an, wo das Hauptquartier der KPCh entstand und eine neue Operationsbasis geschaffen wurde.
Das Motiv „Langen Marschs“ bzw. des „Long March Spirits“ als Metapher findet sich in der gesamten jüngeren Geschichte Chinas. Interessant ist weiterhin die Bezugnahme zu diesem historischen Ereignis im Angesicht aktueller Herausforderungen der VR China. In diesem Zusammenhang wären sicher die prestigeträchtigen „Long March Rockets“ des ambitionierten chinesischen Raumfahrtprojekts, aber auch die Aussage des Präsidenten der VR und Generalsekretärs der KPCh Hu Jintao zur Eröffnung der neuen Ausstellung im Militärmuseums der chinesischen Revolution zu sehen:

The spirit of the Long March is a possession of the Chinese people which should be carried forward in building a modern and harmonious socialist country.

Der großen Bedeutung, die dem Marsch – oder besser gesagt, seiner Symbolkraft – durch die KPCh und die Volksbefreiungsarmee (PLA) zugemessen wird drückt sich auch in der jüngst fertig gestellten, überaus aufwändigen Film-Produktion „Mein langer Marsch“ aus. Mit ca. 110.000 Mitwirkenden und Drehorten in vier Provinzen, die der damalige Rote Armee durchquerte, wurde die Strapazen nacherzählt, mit dem Ziel ein Beispiel von Ausdauer und politischer Standhaftigkeit („endurance and firm political beliefs“), besonders für junge Angehörige der PLA zu liefern.

(cmb)

    Zur Vertiefung:

Bilder mit freundlicher Genehmigung von S. R. Landsberger. Teil der IISH Stefan R Landsberger Sammlung