Das ‚Manifest‘ in China

Am 30. November erschien in der Tageszeitung junge Welt ein Artikel über Marx‘ Werk ‚Das Manifest der Kommunistischen Partei‘ im Rahmen der chinesischen Revolution1. Ursprung, Einflüsse und die verschiedenen Stadien die der Text durchlief bevor es zu einer massenhaften Verbreitung kam werden nachgezeichnet. Im Folgenden halte ich die Abschnitte chronologisch fest.

  • 1896: Dr. Sun Yat Sen besucht Großbritannien und liest im Britischen Museum das ‚Manifest‘. Er fordert chinesische Auslandsstudenten auf, das ‚Manifest‘ zu lesen
  • 1899: In Shanghai erscheint ein Artikel, in dem sich der Autor mit dem ‚Manifest‘ auseinandersetzt
  • 1905: In einer Publikation der Tong Meng Hui erscheint ein Artikel über „deutsche Sozialrevolutionäre“. Entstehung, Hauptinhalt und historische Bedeutung des ‚Manifests‘ werden kurz dargestellt. Unter dem Titel „Manifest des Kommunismus“ übersetzt der Autor einige Abschnitte aus dem Japanischen und Englischen ins Chinesische
  • 1908: Nachdem der chinesische Gelehrte Liu Shipei als erster ein chinesisches Vorwort verfasst, erscheinen in Folge häufig Artikel mit Bezug auf das ‚Manifest‘
  • 1917: Inspiriert durch die Oktoberrevolution in Russland erscheinen in China zahlreiche Artikel rund um das ‚Manifest‘. Der Einfluss des Marxismus unter den progressiven Kräften wächst
  • März 1920: Der spätere Mitbegründer der KPCh, Prof. Li Dazhao gründet im März die „Gesellschaft zur Erforschung der Lehre von Marx an der Peking-Universität“. Kollektiv wird die erste vollständige Übersetzung ins Chinesische angefertigt
  • August 1920: Unterstütz durch die Kommunistische Internationale, wird die erste Übersetzung von Chen Wangdao herausgegeben, die sich auch die englische und japanische Übersetzung stützt. In den nächsten 20 Jahren findet sie weite Verbreitung
  • 1920: Mao Tse-Tung liest neben Schriften von u.a Kautsky zum ersten Mal das ‚Manifest‘ in der Übersetzung von Cheng Wangdao
  • 1920: Der in Frankreich lebende Cha Hesen übersetzt neben weiteren marxistischen Schriften auch das ‚Manifest‘, welches unter jungen Chinesen in Frankreich große Verbreitung findet. Deng Xiaoping der zur selben Zeit in Frankreich studiert sagt später, das ‚Manifest‘ sei sein „Eintrittslehrer“ zum Marxismus gewesen
  • bis 1949: Aufgrund steigender Nachfrage entstehen fünf weitere chinesische Übersetzungen. Qualität und Auflagenhöhe nehmen zu
  • 1949: Nach der Gründung der Volksrepublik druckt die sowjetische Auslandsverlagsgesellschaft eine Jubiläumsausgabe mit allen von Marx und Engels verfassten Vorworten
  • 1958: Das zentrale Übersetzungsbüro des ZK der KPCh redigiert und korrigiert das ‚Manifest‘ anhand der Originalsaugabe. Es wird in den vierten Band der Marx-Engels-Gesamtausgabe aufgenommen
  • 1964: Auf Basis des deutschen Originaltextes und unter Zuhilfenahme u.a. der englischen, französischen und russischen Version erfolgt eine erneute Überprüfung. Die daraufhin erscheinende Einzelausgabe findet große Verbreitung
  • 1972: Die Neuausgabe des vierten Bandes der ‚Ausgewählten Werke von Marx und Engels‘ erscheint. Er enthält das ‚Manifest‘ mit allen Vorworten
  • 1995: Die zweite Ausgabe der ‚Ausgewählten Werke‘ erscheint. Die Übersetzungen wurden dafür erneut überprüft und unterliegen teilweise weitreichenden Verbesserungen
  • 1997: In der Reihe ‚Werke des Marxismus-Leninismus‘ druckt der Chinesische Volksverlag erneut eine Einzelausgabe. Es handelt sich hierbei um die jüngste Ausgabe des ‚Manifests‘ in China
  • Vollständiger Artikel in: junge Welt vom 30.11.2006

    1. Der Artikel stammt von Wei Yunchan, Professor an der Parteihochschule des ZK der KPCh in Peking. Es handelt sich dabei um einen von Rolf Bertholt übersetzten Artikel aus dem offiziellen Organ Renmin Ribao, in der er am 29.06.2006 erschien. [zurück]

    1 Antwort auf “Das ‚Manifest‘ in China”


    1. 1 Zur Aktualität der marxistischen Debatte in der VR China // so man die verhältnisse nicht nur anschauen möchte… Pingback am 15. Juni 2007 um 1:24 Uhr
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