Excerpt: China and the Dynamics of Transnational Accumulation

Historical Materialism Nr 3 2006In der Ausgabe Nr. 3 / 2006 des, aus einem Projekt der London School of Economics hervorgegangenen, Magazins Historical Materialism erschien ein Aufsatz der beiden Autoren von China and Socialism Martin Hart-Landsberg und Paul Burkett über die VR China und die Danymik der transnationalen Akkumulation. Pablo Graubner stellte mir freundlicherweise seine übersichtliche Zusammenfassung des Textes zur Verfügung, die in deutscher Sprache einen Überblick über die dargestellten Thesen liefert:


Martin Hart-Landsberg und Paul Burkett gehen in ihrem Artikel „China and the Dynamics of Transnational Accumulation: Causes and Consequences of Global Restructuring“ kritisch auf die gegenwärtige Bewertung Chinas ein. Die gängige Meinung von „Mainstream“-Analysten1 schätzen das rasante, exportbasierende ökonomische Wachstum trotz warnender Stimmen als Chance für eine breite Restrukturierung anderer Wirtschaftsräume ein2. Dagegen stellen die Autoren die These, dass die breiten transnationalen kapitalistischen Dynamiken, die die ökonomische Aktivitäten Chinas prägen, internationale Instabilitäten erhöhen und sich letztlich gegen die Interessen der Arbeiter aller Länder richten3. Ihr Ziel ist es, diesen Prozess zu entmystifizieren und damit eine Handlungsorientierung zu geben:

We need to translate this undestanding into a programme of action that can assist the birth of national, religional, and global movements for change that can enable working people to reclaim control over their lives10.

China, dessen Brutto-Inlands-Produkt (BIP) sich seit 1978 durchschnittlich um 9,5% erhöht4, ist durch das wachsende Verhältnis von Exporten am BIP (1990: 16%, 2003: 36%) immer mehr von Export-Aktivitäten Transnationaler Konzerne (TNK) abhängig5. Der weltgrößte Empfänger von Auslandsdirektinvestitionen verdrängt dabei andere ostasiatische Staaten von Märkten für Warenexport in EU und den USA6. Diese ostasiatischen Staaten haben darauf mit einer Spezialisierung ihrer High-Tech-Produkte reagiert und finden ihren Exportmarkt wiederum vermehrt in China7. Das äußere sich unter anderem in einem Außenhandelsdefizit Chinas gegenüber diesen ostasiatischen Staaten8.
Ein anderer Aspekt dieser Entwicklung ist aus Sicht der Autoren eine wachsende Handels- und Produktionsabhängigkeit als Teil dieser transnationalen Umstrukturierungsdynamiken9. Diese werde vor allem bei der Produktionsabhängigkeit Chinas von Teilen und Komponenten deutlich11.
Das Ziel der chinesischen Regierungspolitik, die Attraktivität für ausländische Investitionen zu steigern und damit einen Technologietransfer vorzunehmen, entwerten die Autoren durch die Beschreibung des amerikanischen Politologen Edward Steinfeld:

What has moved to China en masse … are the manufacturing-intensive segments of particular value chains12.

Stattdessen würde autonomes Potential erodiert13. Die Auswirkungen des wachsenden Anteils von Exporten an der Gesamtproduktion der ostasiatischen Länder bei einer Einschränkung auf Teile und Komponenten bewerten die Autoren folgendermaßen:

China now sits at the end point of a transnational production process that is anything but helpful to East Asia’s prospects for self-sustaining economic devolpment14.

Die Ausrichtung des chinesischen Exports insbesondere auf die USA bewerten die Autoren als einen Krisenfaktor: „It is doubtful that the US economy can continue to sustain such large and growing trade deficits“15. China, und damit die gesamte ostasiatische Region seien aber vom US-Markt abhängig16.
Eine weitere Verschärfung sehen Hart-Landsberg und Burkett in der Konkurrenzsituation, die China durch seine Schlüsselposition innerhalb der transnationalen Investitionen und Handelsverbindungen ausübt: „China has become the benchmark for competition“17. Durch die Konkurrenz um niedrige Löhne würde die Export-Orientierung weiter verstärken18.
Die Situation der Arbeiter in China beschreiben die Autoren, trotz einer wachsenden Schicht höherer Einkommen als verschlechtert19. Die Privatisierung die Hälfte aller Staatsbetriebe seit 1995 veränderte die Beschäftigungsstruktur nachhaltig und führte zu einer massiven Anstieg der städtischen Arbeitslosigkeit20. Die Exportaktivitäten konzentrierten sich in Küstengebieten21. Gegenüber den regionalen Verwaltungen der chinesischen Regionen fördere die Zentralregierung eigenständige wirtschaftliche Initiativen, was die regionalen Verwaltungen in eine Konkurrenzsituation untereinander führe. Damit verschlechtern sich auch die Situation der Arbeiter, was sich vermehrt in Streiks artikuliere22.
Auch den von den Autoren beschriebenen Umstrukturierungen in Südkorea, die Liberalisierung und Deregulierung der südkoreanischen Ökonomie, folgte eine Negativentwicklung für die südkoreanischen Arbeiter23:

Many corporations have taken advantage of new labour laws to fire their permanent workers and rehire them as temporary […] workers24.

Das Ergebnis ist ein Anstieg von irregulärer Arbeit25. Für die südkoreanische Wirtschaft stellt China die Nummer Eins des Exportmarktes und der Handelsbeziehungen, dar. Auch fließen die meisten Auslandsdirektinvestitionen nach China26. Dazu gibt es eine steigende Tendenz zur Auswanderung nach China:

Over 4,000 South-Korean factories have moved their production out of South Korea since 199827, about 70.7 percent of those production facilities have moved to China28.

Der These, dass die Orientierung des Exports auf China Südkoreas Wirtschaft vor möglichen Instabilitäten des US-Marktes bewahrt, widersprechen Hart-Landsberg und Burkett:

China largely functions as a production platform for exports to the United States. In line with this orientation, most South-Korean exports to China are intermediate goods used in the production of other goods29.

Für US-Amerikanische Arbeiter zeichnen die Autoren ebenfalls ein negatives Bild: Sie stützen sich auf die These des Ökonomen Josh Bivens, der gegenüber der gestiegenen Produktivität den Anteil der Importe an dem Abbau von Jobs höher bewertet:

The loss of manufacturing jobs is not due to a lack of demand for manufactures, but, rather, to a decline in their domestic production30.

China gilt in den USA als bevorzugte Offshore-Option31. Wie die Autoren argumentieren, spielt China dadurch auch eine Rolle bei der Erhöhung des US-Außenhandelsdefizits: US-Tochtergesellschaften, die sich in China engagieren, importieren weniger von ihren Muttergesellschaften als diese von ihnen32.
Zusammenfassend heben Hart-Landsberg und Burkett noch einmal das Krisenpotential hervor, das in der Abhängigkeit des Ostasiatischen Wachstums vom US-Außenhandelsdefizit liegt:

Our point is that these imbalances will have to be corrected, and insofar as the logic of capitalist competition goes unchallenged, governments can be expected to manage the resulting economic instabilities with policies that will only further worsen living and working conditions33.

(pg)

    Weiterführende Links:

  1. S. S. 4 [zurück]
  2. Vgl. S. 3 [zurück]
  3. Vgl. S. 4 [zurück]
  4. Vgl. S. 4 [zurück]
  5. Vgl. S. 7 [zurück]
  6. Vgl. S. 8 [zurück]
  7. Vgl. S. 11 [zurück]
  8. Vgl. S. 12 [zurück]
  9. Vgl. S. 13 [zurück]
  10. S. S. 40 [zurück]
  11. Vgl. S. 13 [zurück]
  12. Steinfeld, Edward S. 2004, „China’s Shallow Integration: Networked Production and the New Challenges for Late Industrialization“, World Development, 32, zit. nach S. 19 [zurück]
  13. Vgl. S. 22 [zurück]
  14. S. S. 17 [zurück]
  15. S. S. 18 [zurück]
  16. Vgl.18 [zurück]
  17. S. S. 22 [zurück]
  18. Vgl. 22 [zurück]
  19. Vgl. 22 [zurück]
  20. Vgl. 22f [zurück]
  21. Vgl. 23 [zurück]
  22. Vgl. 23 [zurück]
  23. Vgl. 28 [zurück]
  24. S. S. 32 [zurück]
  25. Vgl. 32 [zurück]
  26. Vgl. 28 [zurück]
  27. (S. S. 30) [zurück]
  28. Kim Mi-hui 2003, „Factories Relocated Abroad to Cut Costs“, Korea Herald, 25.October, available at www.koreaherald.co.kr, zit. nach S. 30 [zurück]
  29. S. S. 31 [zurück]
  30. S. S. 34 [zurück]
  31. Vgl. S. 38 [zurück]
  32. Vgl. S. 35 [zurück]
  33. S. S. 40 [zurück]