Zur Aktualität der marxistischen Debatte in China


Derzeit widmen sich in der VR China nicht nur viele neue Studienprogramme der marxistischen Theoriebildung, es werden auch gezielt neue Institute mit diesem Forschungsschwerpunkt aufgebaut. Dies sind deutliche Anzeichen dafür, dass wir es mit einer Wiederbelebung des Marxismus in Chinas akademischen Kreisen zu tun haben.

Laut einem Artikel auf People’s Daily Online haben dutzende von Universitäten, Akademien und so genannte „Think Tanks“ der Zentralregierung weitere Abteilungen für Marxismus eingerichtet, die derzeit an verschiedenen Forschungsvorhaben arbeiten. Darunter finden sich Analysen zum Zerfall der UdSSR und Forschungsprojekte zu den aktuellen Problemen, vor denen die VR China in ihrer wirtschaftlichen, wie sozialen Entwicklung derzeit steht.

Other than basic philosophical research, the application of Marxism in China is the focus of our study

Sagt Wu Enyuan, Stellvertretender Direktor des am 2005 eingerichteten Institut für Marxismus, an der renommierten Chinese Academy of Social Sciences (CASS).Er gibt weiterhin über laufende Forschungen und Forschungsvorhaben an, dass sein Institut in den vergangenen Jahren die wirtschaftlich erfolgreichen Küstenprovinzen im Süden der Volksrepublik untersucht hat um die Entwicklung der Sozialistischen Marktwirtschaft, soziale Umbrüche und die wohlfahrtsstaatliche Versorgung von Angestellten im privatwirtschaftlichen Sektor zu untersuchen. Weiterhin wurde eine repräsentative Umfrage an Universitäten durchgeführt, deren Ziel es war, den Einfluss des Marxismus unter Studierenden möglichst genau abzubilden.

Marxist scholars must come out the ivory tower and get close to the realities so as to find a better way for the development of Marxism in China

Die ersten Kontakte chinesischer Theoretiker und politischer Aktivisten mit dem Marxismus zu Beginn des 2o. Jahrhunderts gaben Anstoß zur Gründung der Kommunistischen Partei Chinas und bildeten damit den Grundstein zur Errichtung der Volksrepublik China im Jahre 1949. Die Entwicklung verlief allerdings nicht ohne Zwischenfälle und konkrete historische Hindernisse, die es zu überwinden galt. Der „Große Sprung nach Vorne“ von 1958 bis 1959 sowie die „Große Proletarische Kulturrevolution“ zeigten ein klares Missverständnis bis hin zu Abweichungen von den grundlegenden Theorien marxistischen Denkens auf.

Beobachter gehen davon aus, dass die Wiederbelebung marxistischer Studien die Bemühungen der Regierung wiederspiegelt, materialistische Theoriebildung in der Volksrepublik zu fördern. Seit zwei Jahren wird dieser Trend deutlich: Akademiker sollen die Forschung auf dem Gebiet der praktischen Anwendung marxistischer Theorie in China forcieren, um grundlegende Ansätze für die weitere Entwicklung des Landes zu erarbeiten.

Ein Beispiel für diese Orientierung ist das 2004 von der KPCh ins Leben gerufene Projekt zur Weiterentwicklung und Erforschung marxistischer Theorie, das bisher einige neue Arbeiten zum Thema hervorgebracht hat. Li Changchun, Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros des Zentralkomitees der KPCh, beschrieb das Projekt als eines der wichtigsten Schritte auf dem Gebiet der theoretischen Weiterentwicklung und betonte dessen Bedeutung für die Entwicklung der VR China zu einem fortschrittlich-orientierten Land.

People expect the project to provide theoretical guidance to the building of a moderately prosperous society in an all-round way

Die Bestrebung, fundierte theoretische Leitlinien für ein Land zu suchen, das derzeit von beispiellos schnellen sozialen wie ökonomischen Veränderungen geprägt ist, übt auf eine zunehmende Anzahl an chinesischen Akademikern eine ungeheure Anziehungskraft aus.

Wu, gibt an, dass sein Institut derzeit 130 Forscherinnen und Forscher beschäftigt, wovon allein die Hälfte letztes Jahr angestellt wurde. Er betonte, dass alle neuen Fakultätsmitglieder relativ jung, nämlich in ihren 30gern sind. Die Spezialgebiete der jungen Wissenschaftler reichen dabei von Politik, über Philosophie und Ökonomie bis hin zu Analysen zu Sicherheitsfragen. Für die geplanten vier weiteren Stellen in der Forschungsabteilung, die in diesem Jahr eingerichtet werden sollen, haben sich bisher über 100 Bewerber gemeldet.

Vollstäniger Artikel auf: People’s Daily Online